Vom Kinderheim St. Josef zur Jugendhilfe Werne
In den letzten fünf Jahren sind die Aufgaben des Kinderheimes St. Josef umfangreicher und vielfältiger geworden. Im Jahr 2008 wurden so viele Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien in schwierigen Lebenslagen betreut, wie noch nie in der fast hundertjährigen Geschichte der Einrichtung. Die Angebote zur Unterstützung sind mannigfaltiger und differenzierter geworden und haben sich mit der Ausweitung der Aktivitäten über den Kreis Unna aber auch in angrenzende Kreise wie Coesfeld oder Warendorf räumlich ausgeweitet. Somit konnte das Kinderheim mehr Kindern und ihren Familien neue Perspektiven eröffnen und ihnen die notwendige Unterstützung noch passgenauer anbieten als bislang schon.
Jugendhilfe Werne
Aber nicht nur die Hilfen zur Erziehung haben sich gewandelt. Ausgehend von einer Kooperation mit dem örtlichen Jugendamt bei der Besetzung und Durchführung der Streetwork in Werne haben wir mit der Stadt Werne eine Reihe sozialräumlicher Angebote realisieren können. So ist die Soziale Gruppenarbeit für Jugendliche aus Werne im Jugendprojekt Werne verwirklicht worden.Wir konnten die Kollegien der Wienbredeund Wiehagenschule davon überzeugen, dass das Kinderheim als Träger für ihre Offenen Ganztagsschulen mit einem Plus an know-how in der Betreuung und Förderung von Kindern agieren würde und mit dem Familienzentrum St. Josef ein quasi natürlicher Partner für Vernetzung bereitsteht. Die gute Kooperation mit den beiden Schulen war sicherlich auch mit ausschlaggebend dafür, dass das Kinderheim die Schulsozialarbeit an der Hauptschule am Windmühlenberg sowie die dortige Übermittagsbetreuung wie auch die Übermittagsbetreuung an der Konrad-Adenauer-Realschule betreiben konnte. Auch die Übernahme des Betriebs der beiden Jugendzentren und des Jugendtreffs im Holtkamp haben unsere Aktivitäten im Sozialraum noch einmal deutlich verstärkt. Zu diesem Zeitpunkt war das Kinderheim also nicht nur an Aufgaben und an Personal gewachsen, sondern es hatte sich mit den sozialräumlichen Aktivitäten ein inhaltlich neuer, gleichwertiger Tätigkeitsschwerpunkt
herausgebildet, der zwar von der Erfahrung im Bereich der Erziehungshilfe profitieren konnte, aber keine Erziehungshilfe mehr war. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, insbesondere um beide Teile der Aktivitäten verantwortungsvoll weiter zu entwickeln, musste eine neue Struktur gefunden werden. Im Frühjahr 2008 wurden die ersten Überlegungen zu einer Strukturveränderung angestellt und bald auch durch externen Sachverstand begleitet und ergänzt. Der Vorstand der St. Christophorus Krankenhausstiftung Werne unterstützte diesen Prozess mit wohlwollender Kritik. Das Ergebnis war die Verankerung der Aktivitäten des Kinderheimes als eigenständiger Bereich innerhalb der Stiftung mit eigenem Direktor, die Aufteilung der Aktivitäten des Kinderheimes in die Bereiche Diagnostikzentrum, Wohnformen, teilstationäre Angebote, Beratungsstelle, offene Jugendarbeit und Familienzentrum mit jeweils eigenem Leitungspersonal und die Bildung einer personell verstärkten Gesamtleitung. Um allen diesen Entwicklungen gerecht zu werden, brauchte die entstandene Struktur einen neuen Namen: Jugendhilfe Werne
100jähriges Bestehen
Im Jahr 2012 wird das ehemalige Waisenhaus und spätere Kinderheim St. Josef und nun eben die Jugendhilfe Werne 100 Jahre alt. Bereits jetzt haben wir mit den Vorbereitungen für das Jubiläum begonnen. Wir führen in Zusammenarbeit mit drei Absolventinnen der Saxion Hogeschool in Enschede, Niederlande, eine Reihe qualitativer Interviews zur Geschichte des vormaligen Waisenhauses und späteren Kinderheimes durch. Diese Forschungsarbeit ist Teil des Abschlussexamens der drei Absolventinnen und gleichzeitig Teil einer Dokumentation, die wir zum 100jährigen Bestehen der Einrichtung im Jahr 2012 erstellen möchten. Uns interessieren die Aussagen von Zeitzeugen, die die Geschichte unserer Einrichtung geprägt haben, sei es, dass ihre langjährige Tätigkeit in der Einrichtung Spuren hinterlassen hat oder dass Kinder, die bei uns groß geworden sind, als heutige Erwachsene schildern, wie sie ihre Zeit „im Heim“ erlebt haben.